Die letzte „little Party“ zum Ende der Schullaufbahn
Das Martin-Schleyer-Gymnasium verabschiedet seinen diesjährigen Abiturjahrgang – Traumnote 1,0 zwei Mal vergeben.

Zwischen Aufbruch und Abschied gibt es jene seltenen Momente, in denen die Zeit für einen Augenblick stillzustehen scheint. Das Ende der Schulzeit ist dabei mehr als das Bestehen einer Prüfung – es ist der Übergang in eine schier unendliche Freiheit. Seit jeher feiern Menschen solche Schwellen des Lebens und die Abiturientinnen und Abiturienten des Martin-Schleyer-Gymnasiums Lauda-Königshofen wählten deshalb nicht umsonst das Motto „A little party never killed no Abi“ für ihren letzten, großen Tag im Schülerleben.
Zu feiern gab es schließlich am vergangenen Wochenende in der Laudaer Stadthalle so einiges. Und so begrüßte und gratulierte der kommissarische Schulleiter Christoph Müller im Namen der gesamten Schulgemeinschaft nicht nur den Absolventinnen und Absolventen, sondern dankte in diesem Zuge auch den Eltern, dem Lehrerkollegium und den Mitarbeiten, schließlich hätten sie am erfolgreichen, schulischen Werdegang in den letzten Jahren aktiv mitgewirkt.
Souverän moderiert von den beiden Schülersprechern Elisa Nasser und Mateus Mota-Hehn und umrahmt von der Big Band des Martin-Schleyer-Gymnasiums folgten die Grußworte von Bürgermeister Dr. Lukas Braun. Auch er freute sich, im Namen des Schulträgers die Glückwünsche an die Abiturientinnen und Abiturienten zu überbringen. Zugleich stellte er sich die Frage, in welche Welt die jungen Menschen nach dem Abitur nun starten würden. Zwar mache der dramatische Wandel der Arbeitswelt die Berufswahl heutzutage immer schwieriger, allerdings seien Veränderungen nichts fundamental Neues.
Viel wichtiger sei für Braun deshalb die Anpassungsfähigkeit an neue Situationen, Fachbereiche und Aufgaben, eine Stärke, die gerade die allgemeine Hochschulreife mit ihrer breiten Fächerung der umfassenden Schulbildung mit sich bringe. So wünschte Dr. Braun den Schülern zum Abschluss nicht nur viel Neugierde auf dem neuen Lebensweg, sondern auch eine glückliche Hand für die Berufsentscheidung; verbunden mit dem Wunsch, die Heimat nicht gänzlich zu vergessen, um dann nach dem Studium und der Ausbildung vielleicht doch wieder den Weg zurück ins Taubertal anzutreten.
Sichtlich stolz blickte der Elternbeiratsvorsitzende Matthias Götzke auf die Abiturientinnen und Abiturienten. Auch er hob die vielfältigen Möglichkeiten hervor, die die allgemeine Hochschulreife mit sich bringe. Obwohl durch die künstliche Intelligenz vieles einfacher geworden sei, sei die persönliche Orientierung nun umso schwieriger. Denn keine Maschine nehme den Menschen die Entscheidung ihres zukünftigen Lebenswegs ab. Entsprechend wünschte er den Abiturientinnen und Abiturienten – ebenso wie seine Stellvertreterin Alexandra Seitz – mit offenen Augen in die Zukunft zu gehen, schließlich bilde das eigene Herz und nicht die künstliche Intelligenz den Kompass für den eigenen Lebensweg.

Scheffelpreisträgerin Sophie Rügamer hätte sich dagegen niemals denken können, jemals die Scheffelpreisrede für herausragende Leistungen im Fach Deutsch halten zu dürfen. Folglich betrachtete sie es als eine große Ehre, aber auch Herausforderung, zwischen dem Prüfungsstress ein Thema für die Rede zu finden. Sie griff deshalb auf Bekanntes aus dem Deutschunterricht zurück: Wie für Goethes Faust passe die Erkenntnis gut in die Zeit nach den Abiturprüfungen, wie wertvoll das Leben sei, auch wenn es nicht perfekt erscheine.
Gerade deshalb bliebe die Frage: „Welche Entscheidung ist nun die richtige?“ Doch ließe sich diese Frage für die Preisträgerin nicht rein philosophisch beantworten. Anders als die Technik oder die KI brauche der Mensch nämlich keine Daten, um die richtige Entscheidung zu treffen; stattdessen brauche es neben der Offenheit für die Welt auch ein gewisses Quantum Glück. So folgte schließlich auch der Appell an ihre ehemaligen Klassenkameradinnen und Klassenkameraden, offen durch die Welt zu gehen und ihre eigenen Wege zu finden, auch wenn sie (zunächst) nicht als die perfekten erscheine.
Auch für den kommissarischen Schulleiter Christoph Müller haben sich die Mühen der vergangenen Monate und Jahre gelohnt: Mit dem Abitur hätten die Absolventen einen Abschluss erreicht, der alle Türen öffnete. Dabei griff er auch das Motto des diesjährigen Abiturjahrgangs auf. „A little Party never killed no Abi“ arbeite bewusst mit Gegensätzen; neben der Arbeit müsse also auch genügend Freiraum für die Freizeit – oder eben auch die Party – sein. Und gerade dafür schaffe die Bildung die besten Voraussetzungen. Ob die Entwicklung der Persönlichkeit, die Schaffung neuer Kompetenzen oder auch die Entfaltung eigener Stärken; die Grundlage für den späteren Lebens- und auch Arbeitsweg sei in den vergangenen Schuljahren gelegt worden und biete nun schier unendlich viele Chancen in einer turbulenten und pluralistischen Welt.
Deshalb erinnerte er am Ende seiner Rede daran, dass ganz nach dem Abimotto alles in Einklang gebracht werden müsse. Die Symbiose aus Arbeit, Freizeit und „Work-Life-Balance“ sei der Schlüssel zum Erfolg, der auch in diesem Jahr wieder zweimal zu der Traumnote 1,0 für Sophie Rügamer und Nika Zimmermann geführt habe.
Nach dem Dank an das Abiballkomitee für die Organisation des Abends und an die Bigband unter der Leitung von Klaus Weiland für die musikalische Untermalung folgten die feierliche Überreichung der Abiturzeugnisse und der Preise sowie die Gratulationen von der Schulleitung und den Fachlehrkräften an die Abiturienten.
Mit verschiedenen Dankesreden der Leistungskurse an ihre Lehrer, Spiele und Quizrunden ging der Abiball schließlich in einen ungezwungenen Ausklang über, der mit verschiedenen Diashows und Bildern von Studienfahrten, Exkursionen und Landschulheimaufenthalten die Zeit am Martin-Schleyer-Gymnasium Revue passieren ließ. Denn letztlich sind es nicht nur Zeugnisse, die den Übergang ins nächste Lebenskapitel prägen, sondern auch jene gemeinsamen Momente, in denen aus Mitschülerinnen und Mitschülern erwachsene Menschen werden, die ihren eigenen Weg einschlagen.
So war dieser Abend oder – metaphorisch ausgedrückt: die letzte „little Party“ der Schulzeit am Martin-Schleyer-Gymnasium – nicht nur ein festlicher Abschluss der gemeinsamen Zeit, sondern zugleich der erste Schritt in eine Zukunft voller Möglichkeiten.
















