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"Die Bewegung" auf der Bühne des MSG

Mit dem Theaterstück „Die Bewegung“ präsentierte die Theater-AG des Martin-Schleyer-Gymnasiums am 26. 06.2026 ein Projekt, das sich mit den Gefahren von Gruppenzwang und autoritärem Denken auseinandersetzt. Bereits zwei Tage zuvor hatten die Schülerinnen und Schüler das Stück den neunten Klassen gezeigt. Unter der Leitung der Lehrkräfte Sarah Weiland und Christine Heuring entstand in den vergangenen Monaten eine Eigenproduktion, die Fragen nach Demokratie, Verantwortung und Zivilcourage aufgreift und in die Lebenswelt heutiger Jugendlicher überträgt.

Schon vor Beginn fiel das ungewöhnlich reduzierte Bühnenbild auf. Große weiße Styroporwürfel waren das einzige feste Bühnenelement. Im Laufe des Abends verwandelten sie sich immer wieder in Klassenzimmer, Schulhof, Redaktion oder Bahnhofsunterführung. Unterstützt von einem sorgfältig abgestimmten Lichtkonzept entstanden mit Schwarzlicht und fluoreszierenden Farben eindrucksvolle Bilder. Besonders in den Szenen, in denen die Bewegung immer mehr Einfluss gewann, verliehen die leuchtenden Elemente der Inszenierung eine beklemmende Atmosphäre. Auch die choreografierten Bewegungen der Darsteller trugen dazu bei, den wachsenden Gruppendruck sichtbar werden zu lassen.

Im Zentrum der Handlung steht der Lehrer Herr Winkler (Mijo Ungar). Er möchte seiner Klasse vor Augen führen, wie anfällig demokratische Gesellschaften für autoritäre Entwicklungen sein können. Aus einer zunächst harmlosen Idee entwickelt sich jedoch Schritt für Schritt eine Bewegung, deren Versprechen von Gemeinschaft und Ordnung immer stärker in Ausgrenzung und Machtstreben umschlägt.
Eine der prägenden Figuren ist Lea (Neele Löffelholz). Sie erkennt früh, wohin sich das Experiment entwickelt, und stellt sich als Einzige konsequent gegen die Dynamik der Gruppe. Ben (Jonathan Müller) erlebt innerhalb der Bewegung erstmals Anerkennung und verliert sich zunehmend in deren Ideologie. Emil (Kevin Werner) findet als Außenseiter Anschluss und wird dadurch selbst Teil des Systems. Sophie (Juliana Engstfeld) und Tobi (Tobias Fischer) schwanken lange zwischen Zustimmung und Zweifel, während Mariam (Luisa Kneis) vor allem den neu entstandenen Zusammenhalt genießt. Yasmin (Emilia Beißler) beobachtet die Ereignisse zunächst zurückhaltend und entwickelt sich nach und nach zum moralischen Gegenpol der Bewegung. Ergänzt wird das Ensemble durch Jana (Mia Neumann), Kilian (Jakob Flinner), Lisa (Aurelia Hahn) und Lukas (Matei Bruma). Gerade die beiden Redaktionsmitglieder der Schülerzeitung werfen die Frage auf, welche Verantwortung Medien tragen und wie schnell Berichterstattung zur Propaganda werden kann. Frau Koch (Leni Kaludra) warnt früh vor den Folgen des Experiments, während Frau Degenhardt (Rhiannah Feeg) die Perspektive der Schulleitung einbringt. Auch Alicia (Mira Gera-Szabó) und Laura (Aurelia Hahn) als Mütter von Ben und Lea erweitern den Blick auf die Auswirkungen der Bewegung über den Schulalltag hinaus.

Zu den eindrucksvollsten Szenen des Abends gehörte der Moment, in dem die Bewegung beginnt, ihre Symbole im öffentlichen Raum zu verbreiten. Während die Figuren auf der Bühne Wände besprühen, entsteht gleichzeitig live ein großflächiges Graffiti. Die Szene knüpfte an einen Graffiti-Workshop an, den die Theatergruppe im Vorfeld gemeinsam mit einem professionellen Künstler besucht hatte.
Dass hinter der Produktion weit mehr steckte als das Einstudieren eines Theaterstücks, wurde im Verlauf des Abends immer wieder sichtbar. Viele Ideen entstanden gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern. Choreografien wurden in der Theater-AG entwickelt, die Schwarzlichtszenen in enger Zusammenarbeit mit dem Technikteam umgesetzt. Auch gestalterische Elemente aus dem Kunstunterricht fanden ihren Platz auf der Bühne. Dadurch konnten sich die Jugendlichen weit über ihre eigentlichen Rollen hinaus in das Projekt einbringen. Nach dem Schlussapplaus blieb ein großer Teil des Publikums noch in der Aula. In vielen Gesprächen ging es weniger um einzelne schauspielerische Leistungen als um die Fragen, die das Stück aufgeworfen hatte. Gerade die Aktualität der Handlung und die Verbindung aus Schauspiel, Tanz, Musik, Licht und Live-Graffiti wurden immer wieder hervorgehoben. Auch der kommissarische Schulleiter Christoph Müller, selbst Mathematik- und Sportlehrer, zeigte sich beeindruckt. In seinem Schlusswort erklärte er, die Aufführung habe eine so große gesellschaftliche Bedeutung gehabt, dass man beinahe meinen könne, sie sei wichtiger gewesen als jede Mathematik- oder Sportstunde.