Foodtrends und jugendliche Esskultur – von Fastfood bis vegetarisch

Ganz unterschiedliche, z.T. auch widersprüchliche Foodtrends wie vegetarisch/vegan, selbst kochen, Fastfood, clean eating und andere spielen in der Lebenswelt unserer Kinder und Jugendlichen eine große Rolle. Einige Trends sind durchaus zu begrüßen, andere machen Stress in der Familie oder sind eher kritisch zu sehen. Ernährungsreferentin Beate Laumeyer wird an diesem Abend verschiedene Foodtrends vorstellen und versuchen, sie für die Entwicklung unserer Kids einzuordnen. Anschließend können Sie an den vier Themen-Tischen „Essmarotten unserer Kids“, „Lebensmittelallergien im Schulalltag“, „Wie leben Jugendliche mit Diabetes?“ und „Mensa zwischen Spagetti und Veggieburger“ mit Betroffenen und Experten Ihre Erfahrungen austauschen.

Der Elternbeirat des Martin-Schleyer-Gymnasiums Lauda lädt Sie ganz herzlich zu diesem Themenabend ein.

Dienstag, 25. April 2017, 19.30 bis ca. 21.00 Uhr

Diese Veranstaltung wird durch die Landesinitiative „BeKi – Bewusste Kinderernährung“ des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg ermöglicht.

„Ungeheuer ist viel, doch nichts ungeheurer als der Mensch“

Sehr sehenswerte Inszenierung der „Antigone“ des Sophokles am Martin-Schleyer-Gymnasium Lauda

 „Antigone“ als „Puppentheaterstück“? Die am häufigsten auf allen großen Bühnen aufgeführte griechische Tragödie auf einer kleinen Schultheaterbühne? Dieses Experiment wagten die Mitglieder der Theater-AG des Martin-Schleyer-Gymnasiums Lauda unter der Leitung von Steffi Rößler – und zeigten einmal mehr ihr großes Können. Unter dem Leitmotiv „Erkenne dich selbst“ entfalteten die „Puppenspieler“ des MSG die tragische Geschichte um „Liebe und Hass, Recht und Unrecht, Brudermord und Schwesterpflicht, ...“ (S. Rößler), die sich nach Sophokles im antiken Theben zugetragen hatte – und heute erschreckend aktuell erscheint.

In Theben war zwischen den Söhnen des verbannten Ödipus, Eteokles und Polyneikes, ein Streit um die Nachfolge im  Königreich entbrannt. Die ungleichen Brüder bekämpften sich und brachten sich gegenseitig um. Der Nachfolger auf dem Thron, König Kreon (Raphael R.), ist der Onkel der beiden Brüder und der Schwestern Antigone (Sophia S.) und Ismene (Helen G.). Eteokles ließ er würdevoll als Helden beisetzen, die Überreste von Polyneikes, der sich gegen Theben gewandt hatte, sollten den Tieren zum Fraß dienen. Antigone wollte diese königliche Anordnung im Unterschied zu ihrer Schwester nicht akzeptieren, trotz der Strafandrohung „Steinigung“ bei Zuwiderhandeln. Beim zweiten Mal auf frischer Tat von einem Wächter ertappt, lässt König Kreon sie „lebend in ein Felsengrab einschließen, mit so viel Speise, wie zur Sühne reicht“. Zuvor wollte er sie noch vor den Augen ihres Bräutigams, seines jüngsten Sohnes Haimon (Florian B.), sterben lassen, was diesen zum endgültigen Bruch mit dem Vater führt: „Mich aber wirst du nie mehr vor deinen Augen sehen“. Der greise Seher Teiresias (Valentin H.) deutet daraufhin Kreon die Zeichen, die er bei der Opferschau gesehen hatte, als Folge seines „eigensinnigen“ Handelns. Er prophezeit ihm Unheil, auch für die eigene Familie, zu der neben Haimon auch dessen Mutter Eurydike (Emily F.) gehört.

Das hier vorhersehbare tatsächliche Ende kann natürlich nachgelesen werden, aber die hohe Qualität und Originalität der Inszenierung (Bühne und Regie: Steffi Rößler, Bühne und Masken: Ingo Rößler, Kostüme: Sabine Pohlan, Technik: Lucas Sack, Leon Fiedler), verbunden mit der großartigen Leistung der „Puppen-Schauspieler“ und „Chor-Sprecher“, gerade auch angesichts der schwierigen und langen Texte, und der Bewirtung durch die Schülerfirma kann nur „live“, bei einer zweiten Aufführung am Dienstag, den 4. April um 19.30h, in der Aula des MSG erlebt werden.

Zum antiken Schauspiel gehört ein Chor, der als Dialogpartner, Ratgeber oder auch nur das Geschehen kommentierend auftritt. Die „Einstimmigkeit“ des in Lauda unsichtbaren Chores (Celine K., Hannah K., Josephina K., Laura K., Maria W., Sarah E., Tabea S.) in seinen verschiedenen Funktionen als Bürger von Theben, Ältestenrat und Berater Kreons wurde vor einem, die Bühne verhängenden Tarnnetz ins Bild gesetzt durch eine übergroße, bekleidete Maske eines strengen, unbestechlichen Geistes, dessen starrer Mund wie von Geisterhand berührt (Luise P.) zu sprechen schien. Vor diesem „militärischen“ Tarnnetz, vor der Bühne, spielten die Schauspieler unten, wie im antiken Theater quasi vor ansteigenden Zuschauerrängen. Dies sollte dem Zuschauer die Distanzierung zu manchen im Stück auftretenden Personen erleichtern, im Sinne von: „Wie kann man sich nur so unmöglich benehmen?“ Das diesjährige Experiment „Antigone als Puppentheater“ ermöglichte nun auch den Schülern als Schauspieler eine deutliche Distanzierung von ihrer Rolle. Je nachdem, ob sie sich mit dem Inhalt der Aussage identifizieren wollten oder nicht, konnten sie hinter oder neben „ihre“ etwa 5 kg schwere Puppe treten. Auch ein ängstliches Sich-Verstecken hinter der eigenen Maske/Rolle konnte so deutlich gezeigt werden, etwa bei dem in seiner Komik sehr überzeugend gespielten Wächter (Julia H.) mit der Maske eines Dumpfbacken, den das Unglückslos traf, König Kreon von der Missachtung seines Gebotes berichten zu müssen, ohne den Täter benennen zu können. Hinter der schönen Maske von Antigone verbarg sich dagegen eine junge Frau, die unbeirrbar auf ihrem Standpunkt beharrte - „ungeschriebne, wandellose Gottgebote“ seien höher zu werten als königliche, wandelbare Befehle – und bereit war, dafür vor der Zeit zu sterben. Durch ihre wunderbar gehäkelten Dreadlocks auf dem Maskenkopf, im Vergleich zu den braven Zöpfen ihrer Schwester Ismene, konnte man aber erahnen, welche inneren Kämpfe diese scheinbar unumstößliche Überzeugung begleiteten. Uneinsichtigkeit, Stolz, gar Starrsinn spiegelten sich in dem grimmigen Gesichtsausdruck der Maske von König Kreon, der darüber hinaus aber auch viele Emotionen zeigte und diese, von seiner Maske emanzipiert, überzeugend darstellte. Blankes Entsetzen ins Gesicht, beziehungsweise in seine Maske geschrieben war seinem Sohn Haimon. Die Umsetzung des heftigen Wortgefechts zwischen Vater und Sohn als (Schwert-)Kampf der Puppen ist als sehr gelungener Regieeinfall zu bezeichnen. Als weiteres Highlight kann das eindrucksvolle Auftreten des alten, blinden Sehers Teiresias genannt werden, der sich aus den Tiefen des Bühnenraums langsam zu Kreon hin bewegte, um ihm die unausweichliche, düstere Zukunft vorauszusagen. Ein Bote mit Maskenkopf (Desiree R.), im Zwiegespräch mit dem Chor hinter dem Tarnnetz, hatte danach die undankbare Aufgabe, das ganze Ausmaß der Tragödie zur Sprache zu bringen. Der Hochmut (griech. Hybris) Kreons als deren Ursache wurde zwar am Ende gebrochen, aber seine Selbsterkenntnis kam zu spät. Die Erkenntnis von „Antigone“, dass nicht ungeheurer sei als der Mensch, im Guten wie im Schlechten, gerade auch in seiner Neigung zu uneinsichtigem Beharren auf eigenen Positionen als den einzig richtigen, in seiner Unfähigkeit zum Dialog, in seinem Willen zu Kampf und Krieg, die Unheil über alle bringen, wurde am Ende „aktualisiert“: In einem Abspann erschienen hinter dem Tarnnetz zum Song „Civil War“ (Guns N' Roses) Bilder aktueller Politiker und Machthaber, verknüpft mit vielen Bildern menschlichen Leidens, verursacht durch Menschen. Ein sehr nachdenklicher Schluss eines besonderen Theaterabends am MSG Lauda. Dr. Decker-Heuer